Porträt

Pascal Killinger: Ein eigener Weg an die Futures-Märkte

Bevor Pascal Killinger sich mit Orderbüchern und Futures beschäftigte, gab es einen Winter, in dem er die Stromrechnung nicht mehr bezahlen konnte. Heute handelt er kurzfristige Bewegungen an den amerikanischen Index-Futures, arbeitet an einem eigenen Softwareprojekt und gibt sein Wissen persönlich weiter. Dazwischen liegen Jahre des Lernens, schrittweise Verluste und die Suche nach einem Leben, dessen Richtung er selbst bestimmen kann.

Pascal Killinger im Gespräch, Aufnahme aus einem Podcast-Studio

Pascal Killinger, Futures-Trader aus Nürnberg.

Der nächste Morgen beginnt um vier

In der Wohnung bleibt es dunkel. Es ist Winter, der Strom ist gesperrt. Pascal Killinger kann die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Zeitweise fehlt ihm sogar das Geld für Essen. Er trinkt Leitungswasser.

Am nächsten Morgen muss er gegen vier Uhr wieder aufstehen. Zu Fuß zum Bahnhof, weiter zum Ausbildungsbetrieb, dann zur Arbeit auf dem Bau. Häufig wird er erst gegen 17 oder 18 Uhr zurück sein.

Er ist von zu Hause ausgezogen. Den Abstand hat er gebraucht, doch nun muss er die Wohnung und seinen Lebensunterhalt selbst bezahlen. Das Konto rutscht ins Minus, Mahnungen häufen sich. Er erzählt, dass er damals viel geweint habe. Trotzdem geht er weiter zur Arbeit.

Heute sitzt Pascal in Nürnberg vor den Märkten. Er beobachtet Aufträge, die eingestellt, verändert und ausgeführt werden. Er hat eine eigene Softwareidee von professionellen Entwicklern umsetzen lassen, Schüler über Monate persönlich begleitet und in einem Interview bei Decker Capital über seinen Weg gesprochen.

Zwischen damals und heute liegt keine einzelne Entscheidung, nach der alles besser wurde. Auch der selbst gewählte Weg an die Finanzmärkte brachte zunächst Verluste. Pascal blieb beschäftigt mit der Frage, wie er etwas lernen konnte, auf das sich ein anderes Leben aufbauen ließ.

Wenig Halt, wenig Raum

Pascal ist Jahrgang 1999 und in Mittelfranken aufgewachsen. Seine Eltern trennten sich früh. Den Vater habe er zunächst als guten Vater erlebt, erzählt er. Durch Alkohol habe dieser sich verändert. Kontrolle, Angst und Härte prägten seine Kindheit. Verlässlichen Halt fand er kaum.

Lange hatte er das Gefühl, dass andere über sein Leben bestimmten. Eigene Wünsche waren vorhanden, aber wenig Raum, ihnen zu folgen. Auch Menschen, an die er sich mit seinen Schwierigkeiten wenden konnte, fehlten ihm. Früh Verantwortung zu tragen bedeutete für ihn deshalb noch nicht, selbst entscheiden zu dürfen.

Die Schule erlebte er ebenfalls nicht als einen Ort, der seine Stärken erkannte. Er hatte den Eindruck, in vorgegebene Wege gedrängt zu werden. Was ihn interessierte und worin seine Fähigkeiten liegen könnten, wurde dort nach seiner Erinnerung kaum sichtbar.

Er machte seinen qualifizierenden Hauptschulabschluss. Eine eigene berufliche Richtung ergab sich daraus für ihn noch nicht. Wenn er heute über individuelle Förderung spricht, geht es auch um diese Erfahrung: Fähigkeiten können vorhanden sein, ohne dass ein Umfeld sie wahrnimmt. Damals hatte er vor allem einen Traum, über den er sich selbst definierte.

Als der Fußball aufhörte

Über Jahre war Fußball sein Lebensmittelpunkt. Pascal wollte professionell spielen und später mit dem Sport seinen Lebensunterhalt verdienen. Der Traum gab ihm eine Richtung. Solange er sich eine Zukunft im Fußball vorstellen konnte, hatte die Frage, wer er sein wollte, eine Antwort.

Als dieser Weg für ihn nicht aufging und er aufhörte, fiel diese Antwort weg. Er beschreibt den Abschied als tiefen Einschnitt. Der Sport hatte einen großen Teil seines Lebens und seines Bildes von sich selbst bestimmt. Mit ihm verlor er die Vorstellung von einer Zukunft, auf die er lange hingearbeitet hatte.

Was danach kam, war eine Maurerausbildung. Pascal wollte diesen Beruf nicht ergreifen. Unter dem familiären Druck sah er sich aber nicht in der Lage, seinen eigenen Wunsch durchzusetzen. Er begann einen Weg, den er selbst nicht gewählt hatte.

Der neue Alltag ließ wenig Zeit, nach einer anderen Richtung zu suchen. Die Tage begannen früh und endeten spät. Nach der körperlichen Arbeit blieb vor allem die Erschöpfung. Er schlief kaum und war oft am Ende seiner Kräfte. Die Ausbildung schloss er später nicht ab.

Die eigene Wohnung, die eigenen Rechnungen

Mit etwa 17 oder 18 Jahren zog Pascal aus und brach den Kontakt zum Vater ab. Nach seinem Erleben stand er mit dieser Entscheidung weitgehend allein. Unterstützung von Freunden oder Familie fand er kaum. Die laufenden Kosten lagen nun bei ihm.

Eine eigene Wohnung bedeutete Abstand, aber auch Miete, Strom und Lebensmittel. Sein Geld reichte dafür nicht. Während er weiter auf dem Bau arbeitete, wurden die finanziellen Schwierigkeiten größer. Die Verpflichtungen blieben bestehen, auch wenn das Konto längst im Minus war.

Pascal erzählt diese Zeit heute ohne einen nachträglich einfachen Ausweg. Der Auszug hatte eine Belastung beendet und neue Probleme mit sich gebracht. Die Entscheidung war seine eigene gewesen. Wie er den Alltag danach finanzieren sollte, musste er trotzdem erst herausfinden.

Aufgeben wollte er nicht dauerhaft. Er begann nach einer Möglichkeit zu suchen, seine Energie in etwas Eigenes zu investieren. Eine Fähigkeit, die er entwickeln konnte, statt einen weiteren vorgegebenen Beruf zu übernehmen. Der Wunsch nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit bekam für ihn eine konkrete Bedeutung: die laufenden Kosten tragen und selbst über die nächsten Schritte entscheiden zu können.

Noch gab es dafür keinen fertigen Plan. Der Kontakt mit den Märkten sollte später kommen.

Blöcke voller Beobachtungen

2019 begann Pascal, sich mit den Finanzmärkten auseinanderzusetzen. Ungefähr ein Jahr lang beobachtete er intensiv reine Orderbücher. Kerzencharts standen am Anfang nicht im Mittelpunkt. Was ihm auffiel, schrieb er von Hand in Blöcke.

Ein Orderbuch zeigt sichtbare Kauf- und Verkaufsaufträge zu unterschiedlichen Preisen. Pascal interessierte, wie sie sich veränderten. Wo sammelten sich große Aufträge? Wie lange blieben sie sichtbar? Wann wurden sie verschoben oder gelöscht? Was geschah, wenn an diesen Preisen tatsächlich gehandelt wurde?

Er beschäftigte sich mit Liquidität: der sichtbaren Bereitschaft, zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Dazu kamen die ausgeführten Geschäfte. Ein Auftrag konnte im Buch stehen und später verschwinden, ohne dass eine Transaktion zustande kam. Pascal beobachtete diese Unterschiede und hielt fest, welche Abläufe sich wiederholten.

Später entdeckte er Bookmap. Die Plattform stellt sichtbare Liquidität über die Zeit als Heatmap dar und zeigt daneben ausgeführte Transaktionen. Aus den Zahlenfolgen wurde eine visuelle Darstellung. Er konnte verfolgen, wo Aufträge lagen und wie sich das Geschehen dort entwickelte. Bookmap wurde zu seiner wichtigsten Plattform.

Mit der Zeit richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Geschwindigkeit des Handelsflusses, auf einzelne Orderereignisse und auf deren Zusammenspiel. Auch beobachtbare algorithmische Ausführungsabläufe gehörten zu dem, was er untersuchte.

Wenn Pascal von Mustern spricht, meint er solche wiederkehrenden Order- und Ausführungsereignisse. Ihn interessieren die Vorgänge, aus denen eine Preisbewegung entsteht: Aufträge werden eingestellt, verändert oder zurückgezogen; andere treffen aufeinander und werden ausgeführt. Welche konkrete Bank oder Institution dahintersteht, lässt sich daraus nicht verlässlich erkennen.

Die handschriftlichen Notizen bewahrten seine Beobachtungen. Eine Beobachtung festzuhalten bedeutete allerdings noch nicht, aus ihr eine gute Handelsentscheidung machen zu können.

Was das Lernen kostete

Zwischen 2019 und 2024 verlor Pascal nach eigenen Angaben schrittweise insgesamt etwa 35.000 Euro im Trading. Der Betrag entstand über viele kleinere Verlustphasen. Immer wieder musste er seinen Ansatz überprüfen, Entscheidungen hinterfragen und den Umgang mit Risiko anpassen.

Er konnte sich intensiv mit einem Ablauf beschäftigt haben und bei der Umsetzung trotzdem Geld verlieren. Beobachten, entscheiden und handeln waren verschiedene Aufgaben. Das Wissen über einen Markt musste sich erst in den Entscheidungen bewähren, die er unter laufenden Bedingungen traf.

Einen festen Mentor hatte er nicht. Er war Schüler, Lehrer und Kritiker zugleich. Er musste sich Wissen erarbeiten und anschließend selbst prüfen, ob seine Schlüsse trugen. Dazu gehörte auch, eine eigene Erklärung wieder infrage zu stellen, obwohl er bereits viel Zeit in sie investiert hatte.

Seine Aufmerksamkeit richtete sich zunehmend auf das eigene Verhalten. Was hatte er gesehen? Wie hatte er es gedeutet? Warum war daraus gerade dieser Trade geworden? Pascal beschäftigte sich mit emotionalen Reaktionen und Fehlentscheidungen. Er versuchte, sein Handeln mit etwas Abstand zu betrachten und daraus Änderungen abzuleiten.

Ein kurzfristiger Gewinn beantwortete noch nicht die Frage, ob er einen Ablauf wirklich verstand. Ein Verlust verlangte, genauer hinzusehen. Über die Jahre arbeitete er an seinem Marktverständnis, den Entscheidungsprozessen und dem Risikomanagement. Die Beschäftigung mit den Märkten setzte sich dadurch auch nach dem einzelnen Trade fort.

Das Geld war wichtig, gerade nach seinen früheren Erfahrungen. Die Verluste ließen sich nicht zurücknehmen. Pascal beschreibt seine Motivation dennoch als den Wunsch, langfristig eine komplexe Fähigkeit zu erwerben. Er wollte begründen können, was er tat, und seine Entscheidungen überprüfen können. Dafür setzte er sich immer wieder vor die Märkte.

Feierabend vor dem Bildschirm

1999Jahrgang
2019erstes Orderbuch
17.500+Stunden vor den Märkten
NQ & ESSchwerpunkt

Häufig ungefähr acht Stunden Job, danach sechs Stunden oder mehr Märkte. So beschreibt Pascal den Alltag, den er über lange Phasen führte. Für die Jahre seit 2019 bis 2026 nennt er mehr als 17.500 Stunden Bildschirmzeit.

Er suchte gezielt nach Stellen im Homeoffice, um Erwerbsarbeit und Handel besser verbinden zu können. Zu seinen beruflichen Stationen gehörten Vertrieb und Kundenservice, darunter Kundenberatung für die Stadtwerke Düsseldorf über Davero Dialog. Später arbeitete er bei SIXT im VIP-Service.

Die Jobs sicherten den Lebensunterhalt, während er weiterlernte. Nach dem regulären Arbeitstag beschäftigte er sich mit dem Orderbuch, ausgeführten Transaktionen und den eigenen Entscheidungen. Die Notizen und Beobachtungen kamen zu einer Arbeit hinzu, die bereits einen großen Teil des Tages beansprucht hatte.

Für dieses Vorhaben nahm er sich Zeit, die an anderer Stelle fehlte. Er berichtet von längeren Phasen ohne Urlaub, freie Wochenenden und Unternehmungen. Auch auf Beziehungen verzichtete er über längere Zeit. Der Lernweg bestand damit aus weit mehr als den Stunden, die sich vor einem Bildschirm zählen lassen.

Es waren Entscheidungen darüber, wie er seine Tage verbrachte und wofür noch Raum blieb. Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben führte zunächst zu einem Alltag, in dem fast alles auf ein Vorhaben ausgerichtet war. Seine Spezialisierung entwickelte sich während dieser Jahre durch Beobachtung, Verluste, Reflexion und Anpassung.

Was zwischen den Preisen geschieht

Heute konzentriert sich Pascal auf kurzfristiges Futures-Scalping im Nasdaq-100-Future, NQ, und im S&P-500-Future, ES. Das sind börsengehandelte Terminkontrakte auf die beiden amerikanischen Aktienindizes. Beim Scalping können Positionen nur für sehr kurze Zeit bestehen.

Er verbindet das Orderbuch mit dem Tape, der fortlaufenden Aufzeichnung ausgeführter Geschäfte. Das Orderbuch zeigt sichtbare Aufträge, die noch warten. Das Tape zeigt, welche Transaktionen tatsächlich stattgefunden haben. Pascal verfolgt die Veränderungen auf beiden Ebenen.

Aggressive Käufe und Verkäufe treffen auf vorhandene Angebote und werden unmittelbar ausgeführt. Ihn interessiert, wie schnell solche Transaktionen eintreffen, wie stark der Handelsfluss ist und welche wiederkehrenden Orderereignisse dabei auftreten. Eine einzelne Beobachtung betrachtet er zusammen mit den anderen verfügbaren Informationen.

Auf seiner Website OrderbuchFlow schreibt er: „Ein festes Setup, das ich abspule, habe ich nicht.“ Sein Ansatz verbindet wiederkehrende Ereignisse mit dem jeweiligen Marktkontext. Derselbe Ablauf kann unter veränderten Bedingungen eine andere Bedeutung bekommen.

Dafür schaut Pascal über den einzelnen Future hinaus. Aktien, ETFs, andere Index-Futures, der VIX, Währungen, Kryptowährungen und Optionen können ihm zusätzlichen Kontext liefern. Er beschäftigt sich mit ihren Beziehungen und mit Absicherungsmechanismen zwischen Aktien, ETFs, Optionen und Futures.

Er führt diese Informationen zusammen, um dort zu handeln, wo er einen statistischen Vorteil sieht. Die Analyse soll ihm bei der Auswahl helfen, welche Situationen für ihn einen Trade rechtfertigen. Risikomanagement und Umsetzung gehören ebenso zu seiner Arbeit wie das Erkennen eines wiederkehrenden Ereignisses.

Bei aller Spezialisierung bleibt der Ausgangspunkt nachvollziehbar: Er will verstehen, was mit den Aufträgen und den tatsächlich ausgeführten Geschäften geschieht. Dafür hat er seine Beobachtung über Jahre erweitert. Irgendwann wurde deutlich, dass seine Aufmerksamkeit nicht überall gleichzeitig sein konnte.

Die Märkte hörbar machen

Pascal konnte nicht Dutzende möglicherweise relevante Märkte zugleich im Detail verfolgen. Während er einen Handelsfluss beobachtete, lief andernorts ein weiterer. Aus diesem praktischen Problem entstand die Idee für Tape Engine.

Die Anwendung soll aggressive Käufe und Verkäufe mehrerer Märkte zu einem hör- und sichtbaren Multi-Market-Smart-Tape verdichten. Aktivität, Richtung, Stärke und Geschwindigkeit des Transaktionsflusses werden zusammengeführt. Ein Ton oder eine Anzeige kann seine Aufmerksamkeit auf Handelsaktivität lenken, während er sich mit anderen Daten beschäftigt.

Idee, fachliches Konzept, Anforderungen und Handelslogik stammen von Pascal. Professionelle Entwickler übernahmen die Programmierung. Zunächst entstand eine Umsetzung in C#, später folgte die Weiterentwicklung mit Rust und Tauri sowie React und TypeScript.

Pascal beschreibt, welche Informationen er für seinen Handel benötigt. Die Entwickler übersetzen diese Anforderungen in Software. Der Bedarf kommt aus seiner Arbeit vor den Märkten: mehrere Handelsflüsse wahrnehmen zu können, ohne jeden davon ununterbrochen ansehen zu müssen.

Tape Engine entstand als privates Hilfsmittel für seinen eigenen Handel. Die verdichteten Informationen erweitern seine Wahrnehmung und können seine Analyse bestätigen. Was ein Ereignis bedeutet und ob daraus ein Trade folgt, entscheidet er selbst. Die Anwendung liefert ihm eine zusätzliche Ebene der Beobachtung.

Vom Notizblock zum gemeinsamen Bildschirm

Über Jahre sammelte Pascal schriftliche Notizen, Screenshots und Live-Beispiele. Er dokumentierte Orderereignisse und hielt seine Interpretationen wiederkehrender Markt- und Ausführungsmechanismen fest. Aus einzelnen Beobachtungen entstand eine eigene Wissenssammlung.

Heute stellt er seine Arbeit und die Wissensvermittlung auf OrderbuchFlow vor. Die Plattform umfasst Lektionen, Hörepisoden und eine Wissensbank. Hinter dem Material steht die lange Beschäftigung mit Abläufen, die er anderen nachvollziehbar machen möchte.

Bislang hat er nach eigenen Angaben fünf Schüler im Eins-zu-eins-Format begleitet. Teilweise arbeitete er mit ihnen über mehrere Monate nahezu täglich drei bis vier Stunden live an den Märkten. Sie konnten das Orderbuch und die ausgeführten Geschäfte beobachten, während er seine Einordnung erklärte.

Diese persönliche Betreuung ist bewusst individuell angelegt. Es geht ihm um Marktverständnis und darum, die Fähigkeiten des Einzelnen zu entwickeln. Eine Entscheidung soll nachvollziehbar werden. Eine bloße Vorgabe, wann zu handeln ist, würde dafür nicht genügen.

Auch den Kontakt hält er persönlich. Auf seiner Website schreibt Pascal: „Es antwortet kein Team und kein Assistent, sondern ich.“ In der Arbeit mit einem Schüler kann er sich mit dessen Fragen beschäftigen und auf dem vorhandenen Verständnis aufbauen.

Fähigkeiten bei anderen zu erkennen und sie zu fördern, ist ihm wichtig. Die eigene Schulzeit hat er anders erlebt. In seiner heutigen Arbeit möchte er Menschen bei der Entwicklung einer eigenen Richtung unterstützen. Dafür braucht es Gespräche, Beispiele und Zeit am gemeinsamen Bildschirm.

Die eigene Geschichte aussprechen

Nach Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Marktstrukturen, institutionellen Umsetzungen an den Futures-Märkten sowie wiederkehrenden Orderereignissen trat Pascal zuletzt auch vor ein größeres Publikum. In einem ausführlichen Interview im deutschsprachigen Trading-Format Decker Capital mit Roman Decker sprach er über seine Lebensgeschichte, seine Entwicklung als Futures-Trader und seine Erfahrungen an den Märkten. Der Auftritt markiert einen weiteren Schritt auf seinem Weg, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Zu diesen Erfahrungen gehören die Jahre vor dem ersten Orderbuch ebenso wie der spätere Lernprozess. Pascal erzählt von einer Ausbildung, die er nicht wollte, vom frühen Auszug und den finanziellen Schwierigkeiten. Er spricht über die Zeit, die er investierte, und die Verluste, die damit verbunden waren.

Seine beruflichen Ziele reichen über den heutigen Handel hinaus. Wenn er beschreibt, was er sich für die Zukunft wünscht, spricht er aber auch über Familie, Verlässlichkeit und die Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen.

Die Zukunft: Was Pascal Killinger wirklich antreibt

Fragt man Pascal nach seinen beruflichen Zielen, hat er klare Antworten. Doch sie machen nur einen Teil seiner Vorstellungen von der Zukunft aus.

Auf die Frage, was er sich für sein Leben wirklich wünscht und was eines Tages von ihm bleiben soll, antwortet Pascal:

„Mein großes berufliches Ziel ist es, einen eigenen Hedgefonds aufzubauen. Ich möchte dort Menschen ausbilden und ihnen das Wissen weitergeben, das ich mir über viele Jahre selbst erarbeitet habe. Dabei möchte ich die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen erkennen und fördern. Langfristig ist mein Ziel, Hunderte Millionen zu verwalten. Ich kann mir aber auch vorstellen, bei einer großen Bank, einem Hedgefonds oder einem institutionellen Vermögensverwalter zu arbeiten und meine Erfahrungen dort einzubringen.

Gleichzeitig möchte ich eine eigene Familie gründen. Ich möchte für meine Kinder der Vater sein, den ich selbst nicht hatte. Meine Kinder sollen ihren eigenen Weg gehen können, und ich möchte sie dabei unterstützen – unabhängig davon, welche Entscheidungen sie treffen. Sie sollen wissen, dass sie nicht allein sind. Meiner künftigen Frau und meinen Kindern möchte ich auch finanzielle Sicherheit ermöglichen.

Ich möchte mit meiner Geschichte und meinen Erfahrungen etwas Gutes hinterlassen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man finanziell ganz unten ist und keine Perspektive mehr sieht. Wenn ich eines Tages die Möglichkeiten dazu habe, möchte ich Geld für wohltätige Zwecke spenden und Menschen unterstützen, die nicht dieselben Chancen oder Mittel haben wie andere. Aber manchmal helfen nicht nur Geld, sondern auch Erfahrungen, ein gutes Wort und jemand, der zuhört.

Ich möchte andere Menschen motivieren, ebenfalls Gutes zu tun. Und irgendwann möchte ich ein Buch über meine Lebensgeschichte schreiben, mit allen Fehlern, Rückschlägen und Erfahrungen. Vielleicht kann ich damit Menschen erreichen, die heute in einer ähnlichen Situation sind wie ich damals.

Mir ist wichtig zu zeigen, dass die eigene Herkunft, die schulische Laufbahn oder eine schwierige Vergangenheit nicht zwangsläufig darüber entscheiden, welchen Weg man im Leben gehen wird. Ich kann meine Vergangenheit nicht verändern. Aber ich möchte selbst mitgestalten, was ich aus meiner Zukunft mache.“

Pascals Pläne führen zurück zu dem, was ihm selbst oft fehlte: Unterstützung und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen. Für seine künftigen Kinder möchte er verlässlich sein. Sein Wissen und später auch finanzielle Mittel sollen ihm ermöglichen, anderen Menschen zu helfen.

Zwei Brüder, dieselbe Vergangenheit – zwei unterschiedliche Lebenswege

Zum Ende des Interviews erzählt Pascal eine Parabel, die ihm besonders am Herzen liegt. Sie handelt von zwei Brüdern, die mit einem alkoholabhängigen Vater aufwachsen. Beide erleben Demütigungen, Angst und die wiederholte Botschaft, aus ihnen werde niemals etwas werden.

Viele Jahre später sind ihre Lebenswege sehr unterschiedlich verlaufen. Einer der Brüder ist selbst abhängig geworden, kämpft mit Suchtproblemen, hat seine finanzielle Stabilität verloren und lebt auf der Straße. Als man ihn fragt, weshalb sein Leben diesen Verlauf genommen habe, antwortet er: „Weil mein Vater Alkoholiker war.“

Der andere Bruder hat sich dagegen ein wirtschaftlich erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben aufgebaut und lebt mit seiner Familie in finanzieller Sicherheit. Auch ihn fragt man, weshalb sein Leben so verlaufen sei. Er antwortet mit denselben Worten: „Weil mein Vater Alkoholiker war.“

Die Geschichte ist eine bekannte Parabel – und sie behauptet nicht, dass Willenskraft allein über ein Leben entscheidet.

Pascal erzählt die Parabel, weil sie für seinen Blick auf die eigene Vergangenheit steht. Er will sie nicht schönreden. Aber sie soll nicht das letzte Wort über seine Zukunft haben. Den Handlungsspielraum dafür versteht er als etwas, das er sich durch Lernen und neue Entscheidungen erarbeitet.

Eine persönliche Botschaft von Pascal an euch

Zum Abschluss richtet Pascal sich direkt an die Menschen, die seine Geschichte lesen. Er möchte ihnen etwas mitgeben, das ihm während seines eigenen Weges wichtig geworden ist.

„Wenn ihr aus meiner Geschichte etwas mitnehmt, dann wünsche ich mir, dass ihr an eure Ziele glaubt, auch wenn der Weg hart ist. Es gibt keinen einfachen Weg, der euch verspricht, dass ein bestimmtes Ziel ohne harte Arbeit erreicht werden kann. Es wird Momente in eurem Leben geben, da zweifelt ihr an euch. Da müsst ihr Dinge einstecken. Da wird es Momente geben, in denen die harte Arbeit nicht unbedingt zielführend ist. Aber wichtig ist, dass man weitermacht, niemals aufgibt, nicht immer jeden Kampf gewinnen muss, sondern aus jeder Erfahrung lernt und langfristig denkt. Nicht nur von Woche zu Woche, sondern von Jahr zu Jahr.

Und vergesst nie, ein guter Mensch zu sein. Wenn ihr helfen könnt, dann helft anderen Menschen, denn nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen oder Möglichkeiten im Leben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Und manchmal kann schon ein gutes Wort oder einfach nur Zuhören einen riesigen Unterschied machen. Geht mit gutem Beispiel voran.

Ich wünsche jedem von euch, dass ihr die Kraft findet, eure eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, aus Fehlern zu lernen, auch in schwierigen Lebensphasen einen Neuanfang zu starten und an euch selbst zu arbeiten. Und wenn meine Geschichte euch in dem einen oder anderen Moment vielleicht ein bisschen Motivation gibt oder Inspiration für euch ist, dann würde mir das sehr viel bedeuten.

Vergesst niemals, woher ihr kommt, aber lasst eure Vergangenheit nicht darüber bestimmen, wohin ihr gehen dürft. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr euren eigenen Weg findet, eure Möglichkeiten ausschöpft und eines Tages mit Stolz auf euer Leben zurückblicken könnt.“

– Pascal Killinger